7 Alternativen zu Buchs

Der Buchsbaumzünsler hat im vergangenen Sommer in München ganze Arbeit geleistet. So arg, dass es in den Wertstoffhöfen seitdem eine Beschilderung gibt, wie und wo Buchspflanzen entsorgt werden müssen: nämlich als Sondermüll. Schade um die vielen stattlichen Exemplare, die dort gelandet sind. Und nun? Neuen Buchs pflanzen oder gibt es eine Alternative?

Als ich im vergangenen Juli aus dem Urlaub zurückkam sah mein Garten irgendwie anders aus. Klar, der Blütenaspekt hatte sich in drei Wochen natürlich geändert, aber daran lag es nicht. Das Grün war weg, das Immergrün. Von meinen 7 großen Buchskugeln war nur noch ein Blattgerippe übrig, darin ein dichtes Gespinst, in dem sich Raupen tummelten. Der Fall war also klar, der Buchsbaumzünsler trieb sein Unwesen. Wenn es mal soweit ist bleibt keine Wahl: Die betroffenen Pflanzen müssen ausgegraben, luftdicht in Säcke verpackt und zum Wertstoffhof gebracht werden. Gartenabfall ist das nicht mehr. Die Pflanzen werden in den Säcken entsorgt und zusammen mit alten Matratzen und Polstermöbeln verbrannt.

Zurück blieben sieben große Lücken in den Beeten und die Frage war, was dort künftig wachsen sollte. Neuer Buchs? Auf keinen Fall! So leicht wollte ich es dem Feind in meinem Beet nicht machen. Nimmergrün statt immergrün? War auch keine Option. Die Buchskugeln gaben dem Beet eine gewisse Struktur und ein wenig Grün auch im Winter tat dem Blick ins Freie gut. Was bleiben also für Alternativen zu Buchs?

Ich teste an den sieben Leerstellen gerade verschiedene Varianten:

Ilex crenata

Optisch ist die Japanische Stechpalme dem Buchs sehr ähnlich und hat auch ähnliche Standortansprüche. Sie hat ebenfalls kleine ovale (nicht stechende!) Blättchen, aber den Nachteil, dass sie nur langsam wächst und deshalb vergleichsweise teuer ist. Ich wollte mir kein großes Exemplar (= 50 cm hoch) leisten, was mich über 40 Euro gekostet hätte, sondern hab beschlossen, eine neue Beeteinfassung anzulegen und diese mit sieben kleinen Pflänzchen zu bestücken. Jede ist nur ca. 10 cm hoch und hat mit 2 Euro pro Exemplar auch schon etwa doppelt so viel wie Buchspflanzen in gleicher Größe gekostet. Es gibt verschiedene Sorten, deren Blättchen sich unterscheiden, z. B. ‘Dark Star’, ‘Robustico’ oder ‘Convexa’ mit löffelartig geformten Blättchen. In den Gartencentern ist diese Stechpalmenart trotzdem sehr begehrt und oft ausverkauft. Vorher nachfragen lohnt sich also. Recht neu ist noch eine andere geeignete Ilex-Art: Ilex meservae mit der Sorte ‘Little Pirate’. Die hab ich aber noch nicht ausprobiert.

© Christina Freiberg

Jungpflanze von Ilex crenata

Rhododendron micranthum, ‘Bloombux®’

Bloombux hab ich in diesem Januar auf der Internationalen Pflanzenmesse (IPM) in Essen entdeckt. Er schaut dem Buchsbaum verblüffend ähnlich, ist aber ein Rhododendron. Und sogar geeignet für kalkhaltige Standorte, mit dem Rhodos ja sonst so ihre Probleme haben. Es kann aber nicht schaden, beim einpflanzen Rhododendronerde beizumischen. Insgesamt ist Bloombux aber sehr pflegeleicht, winterhart und lässt sich ebenso wie Buchs auch als Topfpflanze halten. Eigentlich toppt Bloombux den Buchs sogar mit seinen vielen Vorzügen und auch die übrigen Buchsalternativen. Denn er blüht im Frühsommer wunderschön mit typischen Rhododendronblüten, in Form geschnitten wird er deshalb immer erst direkt nach der Blüte. Da er schneller wächst als die Stechpalme, sollte man das dann auch machen, damit die Pflanze kompakt bleibt. Die Blüten sind übrigens sehr beliebt als Nektarquelle bei Insekten und sogar die Blätter duften!

Bildrechte © Bloombux

Rhododendron ‘Bloombux®’

Taxus baccata

Die Europäische Eibe ist immergrün, schnittverträglich und lässt sich gut in Form trimmen. Sie bietet also beste Voraussetzungen, um Buchs zu ersetzen. Der Nachteil ist, dass Eiben mit Ausnahme der rot gefärbten Samen„mäntel“ giftig sind und in Haushalten mit kleinen Kindern und Haustieren daher weniger beliebt. Allerdings muss man wissen, dass auch Buchs giftig ist, dies ist also kein Grund, sich nicht für die Eibe zu entscheiden. Gewöhnliche Eiben wachsen allerdings schnell und werden sehr hoch, daher eignet sich für den Formschnitt besser die spezielle zwergwüchsige Sorte ‘Renkes Kleiner Grüner ®’. Für kugelige Formen oder Einfassungen ist die ideal. Die nadeligen Blätter sehen zwar anders aus als die ovalen Buchsblättchen, sie sind dunkler, und es handelt sich auch um ein Nadel- und kein Laubholz. Aber in den Wuchseigenschaften ist die immergrüne Eibe eine gute Alternative zum Buchs.

Lonicera pileata

Heckenmyrten habens eilig. Wenn sie an einem optimalen Platz (nicht zu nass!) wachsen, kommt man mit dem Rückschnitt kaum hinterher. Verpasst man den richtigen Zeitpunkt im Frühjahr vor dem Austrieb geraten die Pflanzen schnell aus der Form und breiten sich stark aus. Also langfristig nix für meinen Garten, aber für alle, die genügend Platz haben, ist dies durchaus eine gute Alternative zum Buchs. Vor allem, wenn der Standort sonnig ist und windgeschützt. Die kleinen ovalen Blättchen sind dunkelgrün und glänzen genauso wie die von Buchs. Viel auffälliger als beim Buchs sind die hübschen weißen Blüten. Bis zum Herbst entwickeln sich daraus kleine (nicht essbare, da schwach giftige!) violette Beeren als Fruchtschmuck.

Vaccinium BrazelBerry® ‘Berry Bux®’

Bei dieser Heidelbeersorte handelt es sich um eine tolle Neuentwicklung, die ebenfalls auf der IPM vorgestellt wurde. Sie wird ca. 60 cm hoch, wächst kompakt und kugelig, ist winterhart und bildet im Spätsommer sogar essbare Früchte. Es handelt sich aber nicht um eine immergrüne Buchsalternative. Denn Heidelbeeren werfen naturgemäß ihr kleinblättriges Laub im Spätherbst ab, allerdings nach einer spektakulär roten Herbstfärbung! Man kann BerryBux auch sehr gut im Topf kultivieren. Sie wächst ca. 10-15 cm pro Saison und man sollte sie natürlich nicht vor dem Herbst in Form schneiden. Sonst kann man keine Früchte ernten 🙂 Für kleine Stadtgärten wie meinen ist Berry Bux eine klasse Lösung: Er nimmt wenig Platz ein und ergänzt super meine neu gepflanzte Wildobst-Hecke.

© zu jeddeloh

Niedrige Hecke aus Vaccinium ‘BerryBux®’ mit Blütenaspekt

Ligustrum vulgare ‘Lodense’

Der Zwerg-Liguster ist durch seine geringe Höhe und den sehr langsamen Wuchs ebenfalls eine Top-Buchsersatzpflanze. Für kleine Gärten also gut geeignet. Die Blätter sind zwar länger als die von Buchs, aber sie sind ebenfalls leicht ledrig und die ganze Wuchsform ist recht ähnlich. Er ist auch genauso robust und wenig wählerisch was den Standort betrifft. Im Frühsommer blüht die Pflanze und entwickelt im Herbst schwarze Beeren, die z. B. Amseln und Wacholderdrosseln schmecken. Man kann den Zwerg-Liguster  beliebig in Form schneiden, am besten vor dem Austrieb im Frühjahr, damit man die Blüten- und Fruchttriebe nicht abschneidet. Das Laub verfärbt sich zum Winter leicht bräunlich, bleibt aber am Strauch.

Euonymus japonicus ‘Green Border’

Dieser immergrüne Spindelstrauch ist zwar sehr hübsch und wegen seiner Wuchsform auch als Buchsersatz geeignet. Nur leider ist er in Bezug auf den Standort etwas wählerisch. Er mag es nämlich warm und wintermild, passt also eher in Weinbaugegenden und nicht ins raue Münchner Klima. Wenn man sie aber im Pflanzkübel kultiviert und einen guten Lagerplatz während der Frostperiode hat, dann ist es vielleicht auch im Süden Bayerns möglich, sie über den Winter zu bringen. Ob ich das schaffe, wage ich aber zu bezweifeln, denn meine Plätze im Haus sind alle viel zu warm und im kühlen Keller ist es für Immergrüne zu dunkel 🙁

 

Meine persönliche Hitliste lautet:

Platz 1: ‘Bloombux®’, weil er so schön kompakt ist und so viele Vorzüge (Blüten! Duft!) hat

Platz 2: Ilex crenata, weil die Japanische Stechpalme dem Buchs vom Wuchs her am ähnlichsten ist – da fällt die Umstellung nicht so schwer

Platz 3: ‘Berry Bux®’ wegen der leckeren Früchte, nur deshalb etwas abgeschlagen, weil nicht durchgehend immergrün und daher unter diesem Gesichtspunkt für mich kein vollständiger Buchsersatz

Platz 4: Ligustrum ‘Lodense’ kann mit den Vorzügen der Vorgänger leider nicht ganz mithalten

Platz 5: Taxus baccata ‘Renkes Kleiner Grüner ®’ – sorry, ich bin kein großer Nadelgehölzfan, auch wenn das der Eibe sicher nicht gerecht wird

Platz 6 und 7 teilen sich die Heckenmyrte und der Spindelstrauch, aber nur deshalb, weil sie sich für meinen Garten vom Standort her nicht so gut eignen

 

© Christina Freiberg

Trügerische Sicherheit: Die Falle zum Monitoring des Buchsbaumzünslers hing mit dem Lockstoff direkt über der Buchseinfassung. Zünsler haben sich dort aber wochenlang nicht hineinverirrt.