Grün statt Schotter!

Immer mehr Vorgärten sehen aus wie kleine Steinwüsten. Eine seltsame Mode, die da um sich greift, und die fatale Folgen hat für Flora, Fauna und das Bioklima in der Stadt. Von der abweisenden Wirkung dieser leblosen Flächen mal ganz abgesehen …

Natürlich kann man keinem Hausbesitzer vorschreiben, wie er seinen Vorgarten gestalten soll. Aber in vielen Fällen liegt der Gestaltung ja keine persönliche Vorliebe sondern nur eine pragmatische Entscheidung zugrunde. Pflegeleicht soll der Vorgarten sein und damit Zeit sparen. Nur ist es leider ein Irrglaube, dass eine Kiesfläche und immergrüne Gehölze immer wie von selbst gepflegt aussehen. Sie machen durch Moosansatz und Unkrautsämlinge sogar mehr Arbeit als eine standortgerecht bepflanzte Grünfläche.

Es handelt sich oft schlicht um fehlende Informationen, wie man mit Pflanzen einen Vorgarten so gestalten kann, dass er zu jeder Jahreszeit gut aussieht. Mit einer Mischung aus Stauden, Zwiebelblumen und Gehölzen, die in ihren Standortansprüchen zur Fläche passen, lässt sich dies einfach umsetzen.

© GPP/BGL

Mit wenig Aufwand könnten Stauden hier die Kiesflächen ersetzen und damit einen wertvollen Beitrag für das Stadtklima und als Lebensraum leisten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

10 Pluspunkte für mehr Grün in Vorgärten:
+ Die Gewächse sind mehrjährig, müssen also nur einmal gepflanzt werden und nicht jedes Jahr oder mehrmals pro Saison erneuert werden
+ Anspruchslose Arten brauchen kaum Pflege und kommen auch mit Trockenheit klar
+ Blüten bieten Insekten Nektar, Beerengehölze versorgen Vögel mit Nahrung, das Astwerk bietet Nistgelegenheiten und Unterschlupf
+ Insektenfreundliche Pflanzen locken Nützlinge an und machen den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln unnötig
+ Blätter decken den Boden ab, sodass Unkraut keine Chance hat, die Erde nicht austrocknet und die Bodenlebewesen nicht absterben
+ Grüne Blätter filtern Abgase aus der Luft und erhöhen durch Verdunstung die Luftfeuchtigkeit mit positiven Folgen für das Mikroklima
+ Lebendiges Grün erfreut das Auge und wertet das Umfeld des Wohngebietes auf
+ Vegetationsflächen schlucken Lärm und wirken als Windschutz
+ Niederschläge können in offenen Böden besser versickern und belasten nicht die Kanalisation
+ Pflanzenwurzeln bieten dem Boden an abschüssigen Stellen Halt

Fazit: In der Kosten-/Nutzenbilanz liegen Grünflächen weit vor Kiesflächen

© GPP/BGL

Ein grüner Saum entlang der Häuserreihe schirmt Lärm und Abgase von der Straße wirkungsvoll ab.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mehr Grün in die Stadt!
Mittlerweile wurden diverse Aktionen gestartet, um dem unheilvollen Trend entgegenzusteuern – nicht nur in München, denn es handelt sich ja um ein Phänomen, dass man überall beobachten kann, in Kleinstädten ebenso wie in Metropolen. Auf Bundesebene hat Bundesumweltministerin Schulze am 20.10.18 einen Entwurf zum „Masterplan Stadtnatur“ vorgelegt, der die Rahmenbedingungen für mehr Natur in der Stadt deutlich verbessern soll. Darin sind 19 Maßnahmen vorgesehen, die Arten- und Biotopvielfalt in Städten fördern, z.B. durch Schaffung eines Förderschwerpunkts „Stadtnatur“ im Bundesprogramm „Biologische Vielfalt“. Darüber muss aber die Bundesregierung allerdings erst noch abstimmen.

Der Bundesverband der Landschaftsgärtner nimmt die Pläne der Bundesregierung als Beweis dafür, dass die Politik verstanden hat, dass es sich lohnt, in Stadtgrün zu investieren. Der Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL) e.V.  hat bereits 2017 die Initiative „Rettet den Vorgarten“ ins Leben gerufen, unter anderem aus dem Grund, dass „sich viele Menschen der positiven Wirkung der kleinen Grünflächen vor der eigenen Haustür – die zusammen mit denen der Nachbarn ja eine große ergeben – gar nicht bewusst sind.“

Private Initiativen gibt es auch: Die Aktion „Entsteint euch“ der Illertisser Stiftung Gartenkultur und ihr Förderverein setzt sich bereits seit 2015, dem UN-Jahr des Bodens, für ein Ende der „neuen Steinzeit“ ein. Ein eigens eingerichteter Gartenbereich auf der Illertisser Jungviehweide soll seitdem Hausbesitzer anregen, tote Steinschüttungen wieder in lebendiges Grün zu verwandeln. Nachahmung ist ausdrücklich erwünscht!

In München fördert das Baureferat private Begrünungs-Initiativen durch finanzielle Zuschüsse von bis zu 50 Euro pro Quadratmeter umgestalteter Hof- bzw. Vorgartenfläche. Die Stadt selber hat sich zum Ziel gemacht, ebenfalls Platz für mehr Grün in der Stadt zu schaffen. Allerdings ist die Bilanz im Vergleich zu der pro Jahr durch Baumaßnahmen versiegelten Fläche bisher negativ. Da ist also noch Luft nach oben. Aber immerhin sind positive Ansätze erkennbar, z. B. in Form von angelegten Rasentrassen für die Trambahnlinien und Vorgaben für die Begrünung von Dachflächen. Darüber werde ich demnächst an anderer Stelle hier auf Saat+Tat berichten.